AUFRUF 2021: Jährlicher Aufruf zum „Brus Day“ – Tag der Kunst im öffentlichen Raum 6. Juli 2021:

An jedem 6. Juli kommen Künstler aus den Galerien, Konzertsälen, Ateliers, Theatern, Tanzstudios, Schreibstuben, Musiklokalen, Tonstudios usw. auf Straßen und Plätze und setzen einen Tag lang hör- und sichtbare Marken.

Der  bildende  Künstler  und  Dichter  Günter Brus ist seit  seinem  legendären  Stadtspaziergang  am 6. Juli 1965 als Symbol des Bemühens der Kunstschaffenden um den öffentlichen Raum in die internationale Kunstgeschichte eingegangen. Dabei ging er Minuten, elegant gekleidet, weiß übermalt, ein schwarzer Stich von oben nach unten, ein kurzes Stück durch die Wiener Innenstadt. Der darauf folgende Schock der Boulevard-Medien und der Exekutive ist für heutige Verhältnisse kaum denkbar.

Heute verwendet die Stadt Wien die Fotos von Günter Brus‘ Spaziergangs-Happening in der Kulisse der Hofburg gerne als Dokument des liberalen Klimas, der Aufgeschlossenheit, der Modernität und der Freiheit der Kunst in der Walzerstadt. Kein Wort darüber, dass Brus wenige Minuten,  nachdem diese Fotos gemacht wurden, von der Polizei festgenommen und empfindlich bestraft wurde.

Die Notwendigkeit der Inbetriebnahme des öffentlichen Raumes durch die Freiheit der Kunst und die freie Meinungsäußerung hat in Corona-Tagen neue Bedeutung bekommen. Wenn der Bundeskanzler, der selbe, der über „Kulturverliebte“ spottet, einen Auftritt in den Bergen im Stile der Hansi-Hinterseer-Fan-Wanderungen ohne Schutzmaßnahmen und Abstand (auf eigene Weisung ausdrücklich ohne Polizei) ungestraft veranstaltet, andererseits drei Personen im selben Bundesland mit scharfer Waffe und Warnschüssen angehalten werden, weil sie zu nah aneinander gewesen sein sollen, dann ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten!

Daher die dringende Bitte: Sendet diese Information möglichst gleich an eure Kollegenschaft und eure Versandlisten weiter! Danke! 

VORBEREITUNG:

Seitens der Künstlerschaft ist das Konzept österreichweit bisher schnell angenommen worden. Dieses ist zusammengefasst: Es gibt keinen Veranstalter, keine Organisation, keine Auftraggeber. Kunstschaffende treten an öffentlichen Plätzen, Gassen und Parks nach der Art der Flashmobs auf.  Kurz, lang und/oder wiederholt.

Es gibt akustisch vortrefflich geeignete Plätze, wo sogar Theater oder Orchesterwerke aufgeführt werden können.

Jedenfalls sollten bitte unbedingt alle gerade geltenden Corona-Maßnahmen (Mindestabstand, FFP2-Maske …) eingehalten werden!

Wenn gewünscht, können teilnehmende KünstlerInnen das 200-Seiten-Skriptum „KUNST SOLL STADT FINDEN, Kunst im öffentlichen Raum“ aus der Serie „ALLE GESETZE, DIE DIE KUNST BETREFFEN – LEICHT VERSTÄNDLICH“ als Hilfestellung kostenlos per Mail erhalten!

Wenn uns die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ihre Vorhaben, vor allem Uhrzeit und Orte, rechtzeitig rückmelden, so können wir das wieder an die Kollegen der Medien weiterleiten:

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INSTITUT OHNE DIREKTE EIGENSCHAFTEN (IODE), Perinetkeller, 1200 Wien, Pertinetgasse 1

F: 01 954 13 09, M: 0664 466 17 25 (Félix)

PERSÖNLICHE TREFFEN:

Wenn es gewünscht wird, können Arbeitsgespräche (Treffen, Beratungen, Diskussionen, z.B. ob es ein gemeinsames Motto geben soll) im Perinetkeller, ohne Konsumzwang, stattfinden.

Save the date: Am Montag, 31. Mai 2021, 19 Uhr, findet im Depot, Wien 7, Breite Gasse 3, die Diskussion (auch per Zoom-Stream) zum bevorstehenden Brus Day statt:

„Die Einführung des jährlichen Brus Day war eine notwendige Intervention, um das Recht der Kunst in der Öffentlichkeit zu manifestieren. Und er soll dokumentieren, wie Kunst, egal welcher Art,  den öffentlichen Raum bereichert. Der Brus Day ist ein Festtag von Kunstausübenden aller Genres. Zugleich werden die vielen Verbote und Behinderungen aufgezeigt, die die Freiheit behindern.  Er ist selbst ein großflächiges künstlerisches Projekt. Der Brus Day ist ein Denkmal für Günter Brus.

Teilnehmende KünstlerInnen berichten und diskutieren ihre Forderungen an die Politik und ihre Pläne für den Brus Day am 6. Juli 2021“

KURZ-BERICHT ÜBER DEN BRUS DAY 2020:

Der erste „Tag der Kunst im öffentlichen Raum“ war ein Erfolg! Besonders deshalb, bedenkt man, dass er gerade in die Zeit der totalen Verbote und Bestrafungen und des faktisch totalen Verbotes von öffentlicher Kunstausübung und -Rezeption gefallen ist. Bemessen kann dieser Erfolg nicht werden, weil wir wissen, dass Künstler und Künstlerinnen in ganz Österreich aktiv waren, aber natürlich nicht so genau. Sie sollten sich ja nicht anmelden! Den Medien gebührt überdies viel Dank, weil sie das Thema teilweise begeistert aufgegriffen haben.

Tatsächlich ist diese längst fällige Initiative im Rahmen des „Institut ohne direkte Eigenschaften“ unabhängig von der Aktualität schon einige Zeit diskutiert und vorbereitet worden. Auslöser dazu war 2018 der 80. Geburtstag von Günter Brus, der in Österreich zuerst gejagt und bestraft wurde und heute von denselben Leuten als einer der wichtigsten lebenden Künstler gewürdigt und gefeiert wird.

MusikerInnen waren (wie auch heuer) aufgefordert, hörbar zu intervenieren! AutorInnen, wo auch immer, aus ihren Texten zu lesen und ihre Bücher anzubieten! TänzerInnen, SchauspielerInnen, ArtistInnen auf öffentlichen Plätzen zu performen. Bildende sollten ihre Staffeleien aufstellen, ausstellen, malen, zeichnen, portraitieren, modellieren und verkaufen. FotografInnen sollten den Tag, an dem sich die Kunst ihren Raum zurückerobert hat, dokumentieren. Usw. Das alles in der Öffentlichkeit. Ohne Gnadengesuch, ohne Behördenschikane, ohne Anmeldung, ohne Gebühren-Zahlung – spontan!

So war es denn auch. Dadurch, dass sich die Teilnehmenden bewusst nirgends anmelden sollten, es keinen Veranstalter gab, können nur einige Interventionen und Performances dokumentiert werden. Jene, die ihren „Standplatz“ angekündigt hatten, damit wir die Medien vorinformieren konnten.

Ein paar Beispiele aus Wien: Am Heldenplatz performte Andrea Nagl & Team den großartigen und heftig beklatschten "Kugelkopf ext. 7: KOMIK 13"-Auftritt.

Die bildende und schriftstellende Künstlerin Martina Reinhart hatte im Park beim Café 'Heuer am Karlsplatz' in der Treitelstraße bei der Kunsthalle vor einer Staffelei mit Bild aus ihrem Buch 'Geburt der Bilder' gelesen!

SlowForward & SlowAbility sind Brus' Wiener Stadtspaziergang weiß eingefärbt, langsam nachgegangen, sogar sehr langsam, vom Heldenplatz bis zum Ort seiner Festnahme Ecke Bräunerstraße/Stallburggasse. Und alle betroffenen Verkehrsteilnehmer ließen sich für (oft auch lange) Minuten einbremsen. Auch um der Darbietung zu folgen.

Die Malerin und Performerin Zsuzsanna Vécsei, die gelegentlich die internationalen Musentempel in Verlegenheit bringt, ist an diesem Tag an mehreren Plätzen der Stadt, so auch in U-Bahn-Waggons, in ihrem rosa Kostüm aufgetreten.

Daniel Böswirth stand am Stephansplatz vor dem Riesentor des Domes und gab lautstark vor Inländern und Touristen seinen „monothematischen sprachtanz: corona“ wieder! Die Idee dazu ist während seiner eben erst überstandenen  Covid 19-Erkrankung, in der Zeit der Quarantäne, entstanden, die Stimme zu Isolation, Verbannung und Krankheit zu erheben.

Und viele andere, von denen wir keine Rückmeldung hatten. Es ist nicht bekannt, dass es irgendwo in Österreich an diesem Tag zu Feindberührungen zwischen Kunst und Obrigkeit gekommen wäre. Die Polizei war dein Kunstfreund und Helfer. Danke!

DOKUMENTATION:

"innensicht"https://youtu.be/pJRVk2dCgzw"außensicht" https://youtu.be/Mbeh8p-0hCM

BRUS DAY- Tag der Kunst im öffentlichen Raum am 6. Juli 2020 in Wien - YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=VsnnCyOSBBE

DEFINITION VON ÖFFENTLICHER RUHE:

MERKE, WAS ÖFFENTLICHE RUHE BEDEUTET: „Der Bundesminister für Inneres hat jede staatspolitisch wichtige oder für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit im gesamten Land maßgebliche Weisung, die er einem Landespolizeidirektor erteilt, dem Landeshauptmann mitzuteilen.“ (Bundes-Verfassungsgesetz) [Ein Körper ist in Bewegung, wenn er seine Lage gegenüber einem Bezugskörper oder Bezugssystem ändert. Ein Körper ist in Ruhe, wenn er seine Lage gegenüber einem Bezugskörper oder Bezugssystem nicht ändert. Jede Bewegung ist somit relativ und kann nur gegenüber einem Bezugskörper oder einem Bezugssystem angegeben werden.]

 

IODE, DAS INSTITUT OHNE DIREKTE EIGENSCHAFTEN:

Das IODE ist (nach einer Idee Robert Sommers entstanden) eine inhomogene Zusammenkunft von kreativen, künstlerisch engagierten, politisch denkenden Menschen, die sich hauptsächlich im Perinetkeller an der Grenze zwischen Leopoldstadt und Brigittenau in Wien treffen. Robert Sommer war der „Erfinder“ und jahrzehntelange Chefredakteur der Straßenzeitung „Augustin“, bis er in Pension ging.

Hier ist auch die internationale Kampagne über den Nazi-Hintergrund des „Zweigelt“ entstanden, hier wurde die historische Aufarbeitung der Geschichte der Gruppe der Wiener Aktionisten aufgezeichnet und hier wurde „Überleben ist machbar!“ zum bedingungslosen Grundeinkommen für Kunstschaffende gestartet.

DER PERINETKELLER:

Der legendäre wiener Perinetkeller ist jenes Atelier, in dem die Gruppe der „Wiener Aktionisten“ (Günter Brus, Otto Mühl+, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler+), von der Einmauerung 1962 (Adolf Frohner+, Otto Mühl, Hermann Nitsch, Manifest „Die Blutorgel“) bis zu den Happenings/Performances und ihren Dokumentationen (Kurt Kren+) gegründet wurde. Perinetkeller, Wien 20, Perinetg. 1 (U4 oder 33 oder 5 bis Friedensbrücke, 5A oder 5B bis Gaußplatz).

ZUSTAND DES ÖFFENTLICHEN RAUMES 2021:

Der öffentliche Raum kann verschieden gedeutet werden – nicht rechtlich, sondern faktisch.

Die Kunst muss sich den öffentlichen Raum, der sowieso dem Souverän, den Menschen, und nicht der Verwaltung gehört, nach wie vor mühsam erkämpfen. Deswegen soll der 6. Juli weiterhin als „Brus Day“, als „Tag der Kunst im öffentlichen Raum“, in des Wortes wahrstem Sinne, „begangen“ werden. (Wiederholung:) MusikerInnen sollen hörbar intervenieren! AutorInnen, wo auch immer, aus ihren Texten lesen und ihre Bücher anbieten! TänzerInnen, SchauspielerInnen, ArtistInnen werden auf öffentlichen Plätzen performen. Bildende werden ihre Staffeleien aufstellen, ausstellen, malen, zeichnen, portraitieren und modellieren. FotografInnen mögen den Tag, an dem sich die Kunst ihren Raum zurückerobert hat, dokumentieren. Usw. Das alles in der Öffentlichkeit. Ohne Gnadengesuch, ohne Behördenschikane, ohne Anmeldung, ohne dafür Gebühren bezahlen zu müssen, spontan!

Sündenfall Nr. 1: Sebastian Kurz (und seine Laienspielgruppe) tritt als erster Repräsentant der Regierung für das Fernsehen ausschließlich vor der Dienstfahne des Bundes auf. Selbst Interviews gibt er nach Möglichkeit nur vor der Dienstflagge. Für ihn, der seine Autorität weder mit Heiligenschein, Krone, Reichsapfel oder Szepter manifestieren kann, aber auch nicht durch staatsmännische Erfahrung, Fachwissen, Bildung, Charisma, Charme oder angenehme Stimme, ist die Dienstflagge des Bundes ein notwendiges Zeichen seiner Machtfülle. Eine Krücke. Er möchte ernst genommen werden: C'est moi le roi!!!  Wie der Kamm des Hahnes. Das ist erlaubt.

Für die, die’s genau wissen wollen: Die Dienstflagge des Bundes darf nur von Bundesbehörden verwendet werden; eine Verwendung durch Privatpersonen, Firmen oder Vereine ist unzulässig. Der Bundespräsident darf das sogar statt seines KFZ-Kennzeichens – aber auch nur in öffentlicher Mission.

Bundesgesetz vom 28. März 1984 über das Wappen und andere Hoheitszeichen der Republik Österreich (Wappengesetz), BGBl. Nr. 159/1984 […]  § 3.(3) Die Dienstflagge des Bundes entspricht der Flagge der Republik Österreich, weist aber außerdem in ihrer Mitte das Bundeswappen auf, welches gleichmäßig in die beiden roten Streifen hineinreicht. Das Verhältnis der Höhe der Dienstflagge des Bundes zu ihrer Länge ist zwei zu drei. […] § 4. (2) Das Recht zum Führen des Bundeswappens steht dem Bundespräsidenten, den Präsidenten des Nationalrates, dem Vorsitzenden des Bundesrates, dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des Rechnungshofes, den Mitgliedern der Bundesregierung, den Staatssekretären und den Mitgliedern der Volksanwaltschaft zu.

(3) Das Recht zum Führen des Bundeswappens steht ferner dem Landeshauptmann als Organ der mittelbaren Bundesverwaltung, den Behörden, Ämtern, Anstalten und sonstigen Dienststellen des Bundes, den Österreichischen Bundesforsten sowie dem Bundesheer zu; ebenso den Universitäten und Hochschulen einschließlich ihrer Institute, den Fakultäten, den Abteilungen und den besonderen Universitätseinrichtungen, soweit sie wenigstens beschränkte Rechtspersönlichkeit haben, sowie den Verwaltungen der Staatsmonopole. […] Strafbestimmungen § 8. Wer […] 3. unbefugt die Dienstflagge des Bundes führt […] begeht, sofern die Tat nicht den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet, nach § 54 des Seeschiffahrtsgesetzes, BGBl. Nr. 174/1981, oder nach anderen Verwaltungsvorschriften zu ahnden ist, eine Verwaltungsübertretung und ist von der Bezirksverwaltungsbehörde mit Geldstrafe bis zu 3.600 Euro zu bestrafen.

Wenn die grölende Vereinigung von Corona-Leugnern, Impf-, Test- und Hygienemasken-Verweigerern, Aluhut-Trägern, Verschwörungstheoretikern, Neonazis und FPÖ-Rednern ihre Erkenntnis „Kurz muss weg“ fast täglich und tausendfach deklamiert, dann schwenkt sie ebenfalls Dienstfahnen des Bundes vor sich her. Um dieselbe Message zu vermitteln: Wir sind das gesamte Volk! Wir haben dich und deine Demokratie längst abgesetzt! Wir haben bereits das Parlament gestürmt! Sinnbildlich! Fortsetzung folgt. Das ist brandgefährlich!

Die Dienstflagge des Bundes in der Hand von Gegnern des Systems ist eine bewusste Provokation des Rechtsstaates, ein Symbol der Hoheitlichkeit, also ein Symbol der Machtübernahme in der Hand des Mobs. Als würde sich Herr Hofer auf einem Plakat als Bundespräsident bezeichnen (was ja wirklich geschehen ist), ein Zeichen, das jeder Bürger verstehen kann. Auch Exekutivorgane. Das heißt: Sollte!

Die Polizei geht mit dieser verbotenen Provokation duldsam um, wie man in den TV-Nachrichten täglich sehen kann. Kein Fahnenträger wurde noch aus der Demo geholt, keine Bundesdienstflagge eingezogen, offenbar keiner deswegen bestraft. Es ist wahrscheinlich, dass die Exekutivorgane keine andere Order haben.

Sündenfall Nr. 2: Bei jedem dieser Aufmärsche marschieren Personen mit, die mit allerlei Vermummung maskiert sind. Jedes Mal taucht die Anonymous-Maske („V for Vendetta“ von italienisch vendetta „Blutrache“) in der Menge auf, aber auch andere Verpuppungen, wie der „Schwarze Block“, der angeblich nur bei Linken Demos randaliert oder Ganzkörper-Faschingsverkleidungen – offenbar unbeanstandet. Die Polizei hat anderes zu tun, obwohl gleich zwei Gesetze bestimmen und bestrafen, dass besonders bei Versammlungen und Demonstrationen und rundherum Masken verboten sind, die das Gesicht verhüllen.

Versammlungsgesetz 1953, BGBl. Nr. 98/1953 […] § 9. (1) An einer Versammlung dürfen keine Personen teilnehmen, 1. die ihre Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände verhüllen oder verbergen, um ihre Wiedererkennung im Zusammenhang mit der Versammlung zu verhindern oder 2. die Gegenstände mit sich führen, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Feststellung der Identität zu verhindern

Außerdem: „„Bundesgesetz über das Verbot der Verhüllung des Gesichts in der Öffentlichkeit (Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz – AGesVG) BGBl. I Nr. 68/2017 […] Verhüllungsverbot § 2. (1) Wer an öffentlichen Orten oder in öffentlichen Gebäuden seine Gesichtszüge durch Kleidung oder andere Gegenstände in einer Weise verhüllt oder verbirgt, dass sie nicht mehr erkennbar sind, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe bis zu 150 Euro zu bestrafen. […] (2) Ein Verstoß gegen das Verhüllungsverbot gemäß Abs. 1 liegt nicht vor, wenn die Verhüllung oder Verbergung der Gesichtszüge durch Bundes- oder Landesgesetz vorgesehen ist, im Rahmen künstlerischer, kultureller oder traditioneller Veranstaltungen oder im Rahmen der Sportausübung erfolgt oder gesundheitliche oder berufliche Gründe hat. Zuständigkeit § 3. Die Durchführung des Verwaltungsstrafverfahrens wegen eines Verstoßes gegen § 2 obliegt den Bezirksverwaltungsbehörden, im Gebiet einer Gemeinde, für das die Landespolizeidirektion zugleich Sicherheitsbehörde erster Instanz ist, dieser. § 86 Abs. 2 Sicherheitspolizeigesetz (SPG), BGBl. Nr. 566/1991, gilt sinngemäß. Vollziehung § 4. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundesminister für Inneres betraut. Inkrafttreten § 5. Dieses Bundesgesetz tritt mit 1. Oktober 2017 in Kraft.“ 

Für die Virus- und Holocaust-Leugner hat die Obrigkeit mehr Toleranz übrig, als für die bekanntlich gefährlichen Tierschützer. So ein Tierschutz-Aktivist wurde in Baden beim Zettelverteilen unter einer Kuh-Maske ertappt, festgenommen, ihm sicherheitshalber schmerzhaft eine Hand verdreht und in zoologischer Unkenntnis als "du Sau" beschimpft (erzählt er),  in ein Polizeifahrzeug getragen, "nach stundenlangem Warten in der Polizeizelle wurde er wieder freigelassen" (DDr. Balluch),  und letztlich mit der Maximalstrafe von 150 Euro bestraft. Das Landesverwaltungsgericht NÖ hat die zwar auf 70 Euro herabgesetzt, grundsätzlich aber bestätigt. In diesen Tagen hat der Verfassungsgerichtshof endlich veröffentlicht, dass die Verhüllung des Gesichts in diesem Fall erlaubt ist, wenn sie wesentlicher Teil der freien Meinungsäußerung ist.

 

Erich Félix Mautner

für das INSTITUT OHNE DIREKTE EIGENSCHAFTEN

Wien, 14. März 2021